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Die
Pikten und Scoten
trugen
Kleidung, die der aus Irland sehr ähnlich war - ein Tuch, das um den Körper
gewickelt und von einer Brosche gehalten wurde, dazu eine Art offenes
Hemd, das von einem Gürtel oder Stoffband um die Hüfte gehalten wurde
- das "Léine". Viele Geschichtsschreiber verwechseln sogar
Schotten und Iren, da deren Kleidung im wesentlichen Identisch war.
Das
grobe "Wickeltuch" war ein in Mustern gewebtes, in Erdtönen
gefärbtes Leinen; später aus Wolle hergestellte Tücher trugen den
Namen Tartan. Je höher der Rang eines Mannes war, desto aufwendiger
wurde das Tuch hergestellt: Einfache Tartans waren vermutlich einfarbig,
aufwendigere Kleidung aus verschiedenen Farben zusammengesetzt.
Später,
als sich die Schafszucht immer mehr verbreitete, wurden Tartans auch aus
Wolle angefertigt. Diese großen Stofftücher wurden je nach Wetter
unterschiedlich um den Leib gewickelt und boten dem Träger Schutz vor
dem rauen Klima Schottlands.
Die
unterschiedliche Färbung entstand auch aufgrund der unterschiedlichen Böden
in Schottland, die eben von Region zu Region unterschiedliche Farben ermöglichten.
Die heute verbreiteten bunten Muster wurden erst recht spät
erfunden.
Die "echten" Tücher und Tartans des Mittelalters waren
vermutlich in "Tarnfarbe", in Braun-, Rot- und Grüntönen
gehalten.
Nur verhältnismäßig Reiche Schotten trugen bunte Kleidung.
Der
"Belted Plaid", auch "Great Kilt"
oder "Great Highland Kilt/Plaid" genannt,
wurde in Schottland erstmals 1594 schriftlich erwähnt.
"... their outward clothing is a mottled garment with numerous
colours, hanging in folds to the calf of the leg, with a gridle round
the loins over the garment."
Auch
andere Kleidungsstücke sind überliefert: Eine leichte Tunika, eine
Erfindung noch aus der Römerzeit - die Tunika entspricht einem etwa
knielangen T-Shirt. Die "Léine Croiche" war ein meist
safranfarbenes Hemd, das mit einem Gürtel geschlossen wurde, und auch mantelartige
Umhänge sind belegt.
Dem heutigen Kilt entsprechen auf alten Abbildungen am ehesten lange
Kettenhemden, die auch die Beine bis zu den Knien schützten. Ob die
Schotten im Mittelalter Schuhe trugen, ist zweifelhaft.
Die tapferen Schotten aus Braveheart hätten sich - so meinen
viele Historiker - eher wie die Iren aus dem selben Film gekleidet, mit
einfachen Tuniken, Tüchern und Mänteln.
Die
Edlen und Reichen kleideten sich der Mode ihrer Zeit entsprechend -
auf zeitgenössischen Bildern besteht beispielsweise kaum ein
Unterschied zwischen der Kleidung von James V. von Schottland und der
des englischen Königs Henry VIII. Diese modischen Trends und Strömungen
, die großen Einfluss auf die Kleidung an den Höfen der Adligen
hatten, verbreitete sich oft innerhalb von Jahren über ganz
Europa.
Dies spiegelt sich auch im Film wider: Am Hof König Edwards waren
damals feine Materialien wie z.B. Seide verbreitet.
Ganz
anders sah es im "gemeinen Volk" aus:
Viele Leute besaßen wohl gerade ein einziges, mehrere Meter langes Stück
Tartan. Dieses wickelten sie sich je ach Temperatur unterschiedlich um
den Körper - geradezu ideal für das feucht-kühle Klima, das in
Schottland oft vorherrscht.
Die Herrschenden und Wohlhabenden hätten sich vermutlich niemals in
dieses "Unterschicht" - Kleidungsstück gewickelt!
Die Idee, jeder Clan müsse seinen eigenen Kilt bzw. ein eigenes Tartan
- Muster haben, taucht in der zweiten Hälfte des
18. Jahrhunderts erstmals auf - genauer gesagt, um 1745 unter König
Georg II.
Im Mittelalter wäre eine eindeutige Clan - Zuordnung für den Träger -
zumindest außerhalb des Clan-Territoriums - äußerst gefährlich
gewesen!
Der
heutige "kleine Kilt" wurde vermutlich um 1730 erfunden
und einige Zeit darauf von der British Army Highland Regiments übernommen.
Um 1800 war den Militärs klar geworden, dass der "große
Kilt" (Highland Kilt) zu teuer und umständlich für die effiziente
Armee war.
Dolche
wie die "Sgian Dubs" wurden üblicherweise unter dem Hemd
getragen - bis um 1840 Offiziere der "Black Watch" die
Dolche in ihren Kilt Gürteln unterbrachten und so einen Trend auslösten,
der sich schon bald weit verbreitete.
Die metallenen Clan Abzeichen sind eine Erfindung des 20. Jahrhunderts
und ebenfalls vom Militär übernommen, nur die Clan Symbole darauf sind
wirklich "alt". Traditionell verwendeten die Clans Zweige von
einheimischen Pflanzen als Erkennungszeichen.
Auch die formellen Jacken bzw. Sakkos, die heute meist zum Kilt getragen
werden, entstammen ursprünglich militärischen Uniformen.
Erst
im 18. und frühen 19. Jahrhundert wurde "typische
Schottische" Kleidung wieder beliebt und weit verbreitet.
Dazu trug unter anderem der Autor Sir Walter Scott bei, sowie die
Schottlandreise von König Georg IV. in "Highland" -
Kleidung.
Auch Queen Victoria , die sich sehr für Schottland interessierte, half,
die schottische Kleidung wieder hoffähig zu machen.
Heute hat
jeder Clan seinen speziellen, meist bunten Kilt; einige haben auch
"Jagd Kilts" in den ursprünglichen Erd- und Naturtönen.
Kilts und Clan Tartans sind weit verbreitet und werden auch von den
Nachfahren schottischer Auswanderer in Australien und den USA zu
festlichen Anlässen getragen - sehr zum Amüsement mancher Schotten...
Frauen
in Schottland...
...trugen feiner gewebte und größere Tücher, die sie auch wie eine
Kapuze über den Kopf warfen. In England trugen Frauen um diese Zeit
recht eng anliegende Kleider mit sehr weiten Röcken und Ärmeln und
mussten ebenfalls ihren Kopf bedecken. Niemals durfte sich eine Frau
ohne Kopftuch in der Öffentlichkeit zeigen: So verlangten es die
damaligen Regeln der christlichen Kirche. In vorchristlicher Zeit hatten
Frauen noch die Felder bestellt. Mit der Christianisierung, die
Schottland von Irland aus früh erreichte, setzte sich auch ein anderes
Frauenbild durch.
In
seinen Niederschriften beschrieb Martin auch die weibliche
Hochlandtracht.
Demnach trugen die Frauen weiße Plaids, Airsaids genannt, die rot, blau
und schwarz gestreift waren. Die Gewänder, die vom Hals bis zu den Füßen
reichten, waren auf der Brust mit einer Silberschnalle zusammengehalten.
Die Ärmel des Unterkleides schauten aus scharlachrotem Gewebe mit
goldenen Spitzen besetzt hervor.
Erst
um 1730 erfand der englische Industrielle Th. Rawlinson den modernen
Kilt,
der seinen Arbeitern mehr Bewegungsfreiheit erlaubte. Wenig
schmeichelhaft für die Schotten, die so Stolz auf ihre nationalen
Eigenarten sind. Der Rock mit den eingenähten Falten wurde vom verkürzten
Plaid (Plaid/gälisch = Decke) getrennt.
Auch eher
seltsame Tartan Muster sind heutzutage erhältlich: So haben findige
Schotten mit dem "Lady Diana Memorial Kilt" einen ungewöhnlichen
Weg gefunden, sich eine goldene Nase zu verdienen...
Die
Geschichte des schottischen Tartans
Highlander tragen
Tartan. Doch um jene Liebe zum Karierten zu erfahren, sollten wir uns
mit der Geschichte des weltbekannten Schottenstoffs beschäftigen.
Begleitet mich auf eine Reise in vergangene Zeiten zu den Ursprüngen
der schottischen Tradition.
Das
Wort Tartan ist vom französischem “tartaine” abgeleitet, der
Bezeichnung einer bestimmten Stoffart, die ursprünglich jedoch kein
bestimmtes Muster oder Farbe erklärte. Erst als die Hochlandmuster sich
zu Karos entwickelten, wurde im Laufe der Zeit aus “tartaine” der
heutige Begriff “tartan”.
Tartan steht für das Karomuster, welches in keinem Land von
solch traditioneller Bedeutung ist, wie in Schottland. Das gälische
Wort für Tartan ist “breacan”, das soviel heißt wie “teilweise
farbig” oder “gesprenkelt”. Jeder Tartan zeigt die
unterschiedlichste Anordnung von Farben, Streifen und Karos, und jeder
Clan identifiziert sich mit einem oder mehreren Tartans, die dann auch
den Namen der Clans, oder der Regimenter trägt. Die Familien halten
ihren eigenen Tartan und für all jene, die weder einen Familien- noch
einen Clan-Tartan tragen, gibt es einen District- oder National-Tartan.
Ja sogar Clubs und Vereinigungen haben ihr Muster.
Doch nicht jedes Karomuster ist gleich ein Tartan. Ein Tartan ist
doppelt symmetrisch. Der Schußfaden und der Kettfaden ist identisch.
Wenn man den Tartan um 90 Grad dreht, scheint er unverändert, und auf
jedem Muster, dem Set, gibt es zwei Stellen, welche das gleiche zeigen,
wenn man einen Spiegel darauf hält.
Vor allen Dingen ist ein Tartan aber ein Körperstoff; die Webfäden
verlaufen über und unter jeweils zwei Kettfäden. Diese Eigenschaft
ergibt die Schräglinien in den Farben. Tartan wird in Schottland
meistens als Kilt, dem Schottenrock getragen, jedoch ist der Kilt oder
”philabeg”, wie er in der gälischen Sprache heißt, ein recht
modernes Kleidungstück, welches auf den wesentlich älteren Belted
Plaid, dem “breacan feile” zurückzuführen ist.
Die Herkunft des Tartan verliert sich im Dunkel der Zeit der
schottischen Geschichte.
Es gibt unzählige Meinungen, die sich letztlich alle auf die wenigen
Beweise stützen, welche in der Geschichte ihre Erwähnung fanden. Als
Virgil über die keltischen Völker schrieb, nannte er sie “Virgatis
lucent sagulis”, “sie leuchteten in gestreiften Gewändern”.
Ein paar Sätze voran hatte er ihre milchige Haut und ihr goldrotblondes
Haar erwähnt, so daß sie in ihren gestreiften Gewändern wohl
leuchtend anmuten mußten. Doch warum in gestreiften Gewändern? Waren
Streifen die Vorläufer des Karierten?
Nun, es gibt im Lateinischen kein Wort für kariert oder
schachbrettartig. Wie würde man so ein Muster also beschreiben wollen?
Gestreift? Im Wesentlichen ist das Wort “sagulis”, das Virgil
benutzte, um die Hochländer zu beschreiben, sehr interessant.
“sagulis” wurde ohne Zweifel von “sagulum”, der Verkleinerung
von “sagum”, abgeleitet”, das Tuch bedeutet. Tuch wiederum
bedeutet ein Stück Stoff oder ein wollenes Material. Ein nicht
uninteressanter Hinweis auf die Bekleidung der Hochländer zur Zeit
Christi.
Auch in der “Saga of Magnus Barefoot” aus dem Jahre 1093
finden wir einen Hinweis auf die schottische Hochlandkleidung.
Die Saga berichtet, daß, wenn der König aus dem Westen zurückkehrte,
die Tracht der westlichen Länder übernahm und nacktbeinig mit einer
kurzen Tunika und dazu passenden Oberkleidern ankam.
Viele vertreten die Meinung, daß es sich bei der kurzen Tunika um den
ersten Kilt handeln könnte.
Es ist
jedoch wahrscheinlicher, daß Magnus das “leine croich”, das
safranfarbene Hemd trug, welches zu dieser Zeit in Schottland allgemein
getragen wurde.
Auch fast fünf Jahrhunderte später, als John Major einen Bericht über
die Highlander schrieb, war das safranfarbene Hemd noch im Gebrauch.
”Vom Schenkel bis zum Fuß sind ihre Beine unbedeckt, sie tragen einen
ärmellosen Mantel statt eines Oberkleides und ein Hemd mit Safran gefärbt.
Die Hochlandschotten stürzen sich in die Schlacht mit einem
Leinengewand und einem ärmellosen Mantel, der auf mannigfaltige Art genäht,
gefärbt und mit Pech überzogen ist.”
Als gegen Ende des 15. Jahrhunderts die Herrschaft der Highlands
endlich der Krone zugefallen war, begannen die schottischen Könige
immer öfter in den Norden zu reisen.
Hier,
wo sich die Clan Chiefs so lange dem König widersetzt hatten,
wollten sie sich als Oberherrschaft über die Clansoberhäupter
zeigen. So gab 1558 Jacob V. für sich selbst die erste Hochlandtracht
in Auftrag, die je von einem König getragen wurde.
Der Lord-Oberschatzmeister verbuchte damals sorgfältig eine kurze
Hochlandjacke und Tartan für eine Hochlandhose. Der König trug also
eine kurze Tartanjacke und eine Tartanhose, eine Anzugsform, die zum
damaligen Zeitpunkt bei den Noblen sehr populär war.Jedoch waren nicht
alle Untertanen des Königs so formell angezogen. Ein französischer
Besucher schrieb 1556 ertaunt: “Sie tragen keine Kleidung, außer
ihren gefärbten Hemden und einer leichten bunten Wolldecke.”
Bei allen
Berichten über die Hochlandkleidung wird einem sehr schnell bewußt,
wie unzureichend jemand, der nur mit einem Hemd und einer Decke
bekleidet war, einem schottischen Winter begegnen mußte. Auch ist das
beste Leinenhemd, wenngleich es mit Pech imprägniert wurde, ist bei den
starken Regenfällen der äußeren Inseln über kurz oder lang den
Gezeiten nicht gewachsen.
Der Grund
für diesen spärlichen Kleidungsstil war die allgemeine Armut und natürlich
die Wollknappheit. Hierzu muß erwähnt werden, daß das Schaf in
Schottland keineswegs bodenständig ist, und zu der Zeit, als die
Tartans bereits vermehrt getragen wurden, gab es weitaus mehr Rinder als
Schafe.
Von Alters her war es Brauch, daß die Frauen die Familientartans selbst
auf kleinen Handwebstühlen webten. Die Stoffbahnen waren damals maximal
fünfundsiebzig Zentimeter breit, und zur Anfertigung eines Belted Plaid
wurden noch bis ins 19. Jahrhundert zwei Stoffbahnen mit einer Länge
von ca 4,50 zusammengenäht.
Der Plaid
wurde mit einem Gürtel in der Taille zusammengehalten und diente am
Tage gleichzeitig als Rock und Mantel. In der Nacht wurde der Gürtel
gelöst und der Highlander schlief darin. Die Muster wurden auf Musterstöcken
festgehalten. Die Anzahl der Fäden aller Streifen und Karos wurden in
der richtigen Reihenfolge auf einen Stock gewickelt und von Generation
zu Generation weitergereicht. Als Elisabeth I. Irland eroberte und den
Leinenexport von der Insel beendete, verschwand auch langsam das
“leine croich”, und der Belted Plaid trat seinen Siegeszug als
ultimatives Kleidungsstück an.
Zu welchem Zeitpunkt sich die Clans in individuelle Tartans kleideten,
der Betrachter sie also an ihrem Muster als Mitglied diesen oder jenen
Clans erkennen konnte, ist noch ungewisser als das Alter der Tartans
selbst.
In frühen Werken wird oft aufgeführt, daß es schon vor 1745 ein voll
entwickeltes Clan-Tartan-System gab und durch das Trageverbot nach der
verlorenen Schlacht von Culloden, die Muster in Vergessenheit
gerieten.
Immerhin sechsunddreißig Jahre lang von 1746 bis 1782 galt dieses
Verbot. Eine lange Zeit. Hätte man sich nicht dennoch an die alten
Muster erinnern müssen? Wie auch immer. Tartan wurde schon lange vor
1745 getragen.
Jedoch,
konnte man einen Träger an seinem Tartan erkennen?
Ein zeitgenössischer Bericht zeigt, daß dies zumindest in Einzelfällen
nicht so war. Als nach der Schlacht von Culloden Cumberlands Männer über
das Schlachtfeld zogen, um die Verwundeten zu töten, wollten sie einem
Highlander gerade den Gnadenstoß versetzen, als dieser schrie: ”Männer,
haltet ein. Ich kämpfe auf der Seite von Billy Cumberland. Ich bin ein
Campell.”
Die Soldaten antworteten: ”Tut uns leid, aber du hast dein Bonnet
verloren, und so können wir dich nicht als Campell erkennen.”
Zweifellos war er in Tartan gekleidet, sonst hätten sie ihn nicht als
Highlander erkannt und niedergestochen, aber ohne sein Bonnet mit dem
Zweig seiner Clanspflanze und der schwarzen Kokarde der Hannoveraner
konnten sie ihn nicht als Campell erkennen.
Wenn auch heute jeder Schotte Tartan trägt, war in alten Tagen der
Tartan die Kleidung der Highlander.
Die meisten Schotten aus den Lowlands hätten niemals Tartan getragen,
bevor er durch die Romane Sir Walter Scotts und dem Aufleben
jakobitischer Romantik sehr populär und gesellschaftsfähig
wurde.
Ein Laird aus dem Tiefland brachte es bei der Frage, ob er einen Tartan
tragen würde, auf den Punkt: ”Nein, Gott sei Dank nicht. Meine Ahnen
waren allzeit in der Lage, sich Hosen zu leisten.”
Der Bürgerkrieg setzte den Anfang für eine romantisierte Zeit, die die
Entwicklung des Tartans wie keine andere Epoche beeinflussen sollte. Die
Jakobiten, die Anhänger des schottischen Königshauses Stuart, begannen
ihren ruhmreichen Weg durch die Geschichte, und jene romantischen Gefühle,
zu denen die Bewegung den Anstoß gab, wurde im Laufe der Jahrhunderte
zur Schwärmerei für alles, was mit den Highlands zu tun hatte, und
viele heute zur Hochlandtracht gehörenden Eigenheiten haben ihren
Ursprung in dieser Zeit.
So
sind die weißen Gamaschen der Hochland-Regimenter
eine Erinnerung an einen Wintermarsch nach Inverlochy im Jahre 1645, als
die Highlander die vom Kampf zerfetzten Überreste ihrer Hemden zum
Schutz gegen den Schnee um ihre Füße und Beine wickelten.
Bevor sie
sich schlafen legten, sollen sie ihre Plaids, so heißt es, in kaltes
Wasser getaucht haben, damit ihre Körperwärme in der nassen Kleidung
einen warmen Dunst erzeugte. Der Hauptgrund, warum sich die
Hochlandtracht so autark entwickelte, war die Tatsache, daß die
Highlands bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts etwas abgeschieden vom übrigen
Schottland standen.
Die
eigene gälische Sprache, das Überleben des Feudalismus und das kaum
Vorhandensein von Straßen stellte ein Problem für die Reisenden in den
Norden dar. Erst der Jakobitismus, eine Bewegung, die von vielen
Hochlandclans unterstützt wurde, zwang die Regierung in Edinburgh sich
für die unklaren politischen Verhältnisse in den Highlands zu
interessieren.
Der Tartan, als Jakobiten- und Halunkentracht bekannt, kam zu Ehren als
Symbol eines unterdrückten Nationalgefühls.
Seine Beliebtheit wuchs auch außerhalb der Highlands schnell heran.
Durch den Bau von Straßen durch Marschall Wade gelangten nun Reisende
leichter in die entlegenen Hochtäler und lernten die Traditionen der
Highlander kennen. Aus unzähligen Reiseberichten erhalten wir einen Überblick
über die Lebensart im Norden Schottlands zu Beginn des 18.
Jahrhunderts.
Die Hochlandtracht hatte sich, seit dem der Belted Plaid hundert Jahre
zuvor das safranfarbene Hemd verdrängt hatte, kaum verändert, jedoch
begannen die Clantartans ihre entgültige Form anzunehmen. Martin,
Verwalter des Laird MacLeod auf der Insel Skye, war einer der ersten,
die niederschrieben, “..., daß alle Inseln sich voneinander durch die
Machart der Plaids, wie durch die Breite und die Farben der Streifen,
unterscheiden”.
Das gleiche traf, wie er schrieb, auch für die anderen Teile der
Highlands zu. Leider wurde nicht erwähnt, wie es sich bei Inseln verhält,
auf denen mehrere Clans angesiedelt waren. Auf Skye herrschten
beispielsweise die MacLeods und die MacDonalds. Trugen diese alten
Rivalen ihren eigen Tartan, oder teilten sie sich einen gemeinsamen
District-Tartan.
Zur
gleichen Zeit unternahmen die Chiefs des Clan Grant einen Versuch, ihre
Männer in einheitlichen Tartan zu kleiden und befahlen einigen Hundert
von ihnen Tartanjacken in gleicher Farbe und in gleichem Schnitt zu
tragen. Wenig später befahl Sir Ludovic Grant allen Pächtern, sich
Hochland-Jacken, -Hosen und kurze Strümpfe aus einem rot-grünen,
breitgemusterten Tartan zu besorgen.
Ob diese Anweisungen von Erfolg gekrönt waren, mag dahingestellt sein.
Jedenfalls tragen auf allen Gemälden der Grants nur ein
Dudelsackpfeifer und ein Kämpfer den gleichen Tartan, der allerdings
dem heutigen Tartan des Clan Grant tatsächlich ähnelt.
Tatsache
ist, daß die Highlander zu dieser Zeit offensichtlich häufig einen
Tartan ihrer Wahl trugen, einige sich mit dem gleichen Muster
identifizierten, jedoch man von einem einheitlichen Clan-Tartan, den
jedes Clan-Mitglied trug, weit entfernt war.
Nach dem Jakobiten-Aufstand von 1715 hatte die Regierung König
Georges beschlossen,
den Jakobiten-Clans Einhalt zu gebieten und beauftragte 1725 den
Oberkommandierenden für Schottland, Marschall Wade sechs
Hochlandkompanien aufzustellen.
Die
Aufgabe dieser unabhängigen Einheiten war die Überwachung einzelner
Gebiete und besonderes Augenmerk auf die Unternehmungen der Jakobiten zu
haben. Die Rekrutierten kamen aus allen Teilen der Highlands, und so
trugen sie natürlich die verschiedensten Tartans. Damit keiner der
Whig-Clans, der regierungstreuen Clans, bevorzugt wurde, kreierte man
kurzerhand einen neuen Tartan, der “Black Watch” genannt
wurde.
Dieser
Tartan wurde zum ersten registrierten Muster der Highlands.
Es war der erste Tartan, der definitiv mit einem Namen identifiziert
wurde, und der Einfluß dieses Musters auf viele folgende ist
unbestreitbar. Von diesem Tartan wurden bis auf eine Ausnahme alle
Highland Regiment Tartans abgeleitet, und viele heutigen Clan-Tartans
beziehen sich, wenn auch in abgeänderter Form, auf dieses Muster.
Die
Black Watch Kompanien trugen den Belted Plaid in dem dunkelgrünen Black
Watch Tartan
und spätestens ab 1740 rote Uniform-Jacken. Die meisten Rekruten dieser
Regimenter waren Adelige, die ihren Dienst als einfache Soldaten leisten
wollten. So mutete es seinerzeit einem englischen Soldaten auch
eigenartig an, daß die meisten Soldaten des Black Watch Regiments von
ihren eigenen Dienern begleitet wurden, die ihr Gepäck trugen.
Eine Anekdote, die den hohen Anteil an Gentlemen-Soldaten bestätigt,
soll sich wie folgt zugetragen haben. Der König, der noch nie einen
Hochlandsoldaten gesehen hatte, kommandierte drei aus dem Black Watch
Regiment nach London, um diese persönlich zu inspizieren. Nach einer
langen Reise trafen zwei dann auch bei Hofe ein. Einer war auf der Reise
in Aberfeldy erkrankt und verstorben.
Vor dem König
demonstrierten die beiden Highlander vom Clan Campell und Clan MacGregor
ihre Kunst mit dem Claymore und der Lochaber Axt. Der König war so
begeistert, daß er den für ihn als einfache Soldaten erscheinenden
Gentelmen-Soldaten einem Guinea zuwarf. Die zutiefst in ihrer
Gentlemen-Würde verletzten Soldaten nahmen das Geschenk, wie hätten
sie es dem König ablehnen können, und steckten es bei ihrer Abreise
den Torwächtern zu.
Spätestens im 18. Jahrhundert verdrängte langsam der Kilt den
Belted Plaid.
Schon im Jakobitenaufstand von 1715 hatte man bemerkt, daß der Belted
Plaid für den Kampf ungeeignet war. Viele Highlander konnten nach der
Schlacht nicht bei der Armee bleiben, weil sie “...einen Teil ihrer
Kleidung, der sie vor Kälte schützte und dazu noch als Bettzeug
diente, auf dem Schlachtfeld zurückgelassen hatten”.
Um das zu
verstehen”, berichtete er, ”muß man die Tracht und die Kampfweise
der Highlander kennen. Sie tragen zwei kurze Westen, von denen die obere
nur bis zur Taille reicht, die untere etwa fünfzehn Zentimeter länger
ist, kurze Strümpfe, die kaum bis an die Knie gehen, und keine Hose. Über
dem ganzen wird ein weites Stück getragen, das in der Taille mit einem
Gürtel zusammengehalten als Mantel dient, jedoch gewöhnlich an der
linken Schulter befestigt wird, so daß der rechte Arm frei
bleibt.
Beim
Kampf legen sie diesen ärmellosen Mantel ab, um mehr Bewegungsfreiheit
zu haben. Werden sie besiegt, bleiben diese Mäntel dann auf dem
Kampffeld zurück.” Aus anderen Berichten erfahren wir, daß
Highlander, die keinen Schild hatten, sich ihren Plaid bei einem Kampf
um den linken Arm wickelten, um damit Schwerthiebe und Kugeln
abzufangen.
Nun, wer genau als Erstes die Idee hatte, den Belted Plaid etwas
praktischer zu gestalten
und den Kilt erfand, verliert sich wie so vieles im Dunkel der
Geschichte. Niedergeschrieben wurde jedoch ein Fall, in dem etwa um 1715
in Glengarry der Eisenhüttendirektor Rawlinson die Wende brachte.
Rawlinson
hatte einen englischen Freund, der Schneider war und an der schottischen
Tracht sehr interessiert war.
So kam eines Tages ein Highlander mit einem vom Regen durchnässten
Belted Plaid in die Stube, in der Direktor Rawlinson mit seinem Freund
dem Schneider am Feuer saßen. Zum Erstaunen des Schneiders legte der
Highlander seinen nassen Mantel nicht ab. Als der neugierige Schneider
den Highlander befragte, stellte er fest, daß der Mantel ein vollständiger
Anzug war, der mit einem Gürtel in der Taille gehalten wurde. Bei jedem
Anziehen mußten die Falten im unteren Bereich des Kleidungsstückes neu
gelegt werden.
Der
Schneider erdachte nun eine neue Variante, in der das Tuch in zwei Teile
geteilt wurde, die Falten in dem unteren Bereich vernäht wurden und
somit immer in Form blieben und der obere Teil nun nach belieben
abgelegt werden konnte.
Rawlinson war begeistert und bereits wenige Tage nach diesem Ereignis
trug er einen Kilt. McDonell of Glengarry erkannte ebenfalls die Vorzüge
dieser neuen Mode und trug fortan nur noch Kilt. In den nächsten Jahren
verbreitete sich der Kilt über das ganze Land und das Ende des
jahrhundertelang getragenen Belted Plaid war gekommen.
Natürlich
würde kein Schotte jemals behaupten,
daß ein Engländer der Erfinder des Nationalkleidungsstückes sein könnte.
Diese Behauptung wäre auch nicht haltbar, insbesondere, da aus vielen
Teilen Schottlands immer wieder Aufzeichnungen lange vor der offiziell
dokumentierten “Erfindung” des Kilts auf das Tragen dessen
hinweisen.
So
schrieb beispielsweise Donald MacLeod, nach seinem aktiven Dienst als
Sergeant bei den Royal Scots in seiner Biographie 1791, daß er sich
noch lebhaft an die Hungersnot 1698 erinnerte und an die Kleidung, die
er als kleiner Junge trug. “Wir Knaben trugen ein Wollhemd, einen Kilt
und eine Weste.”
Nun, tatsächlich
wurde einerseits der Plaid teilweise noch bis Anfang des 19.
Jahrhunderts getragen, andereseits der Kilt schon im 17. Jahrhundert,
wenn nicht früher. Auch Prince Charles Edward Stuart trug bei seiner
Revolution 1745 oft den Kilt, jedoch meistens Hosen in Tartan-Muster, da
diese zum Reiten bei einem Mann wesentlich praktischer erscheinen als
der Kilt.
Nach seinem triumphalen Einmarsch in Edinburgh wurde der Tartan für
wenige Monate sehr begehrt, und geschäftstüchtige Handelsfirmen präsentierten
die neusten Tartanmuster.
Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das Tragen von Hochlandkleidung
sehr populär
und jeder suchte nach seinem alten, teilweise vergessenen Clan-Tartan.
Sir Walter Scot machte mit seinen Hochland-Novellen Furore, und dann
kamen sie, die alles verändern sollten. Die Gebrüder Sobieski Wolfrit
Stuart.
In einer Zeit, in der gerne jeder Schotte seinen alten Familien-Tartan
präsentierte, jedoch viele keinen besaßen (ob er nun im Laufe der
Jahrhunderte verloren ging oder nie existierte sei dahingestellt), war
das 1842 erschienene “Vestiarium Scoticum” der Gebrüder Sobieskie
Wolfrit Stuart ein willkommenes Nachschlagewerk. Die Brüder waren seit
1819 allgemein als Tartan-Experten bekannt, die alte Aufzeichnungen über
Tartanmuster entdeckt hatten und an einer Auflistung dieser vergessenen
Tradition arbeiteten.
Als
1822 König William IV. Schottland besuchte, bestürmten sie viele
Clanmitglieder, um von ihnen die alten Sets erklärt zu bekommen, denn
Sir Walter Scott hatte das Besucherprogramm inszeniert und seiner Majestät
empfohlen, in Hochlandtracht zu erscheinen. Natürlich mußten nun auch
alle Schotten in Hochlandtracht dem Treffen im Hollyrood House
beiwohnen.
Zu diesem Zeitpunk entstanden viele der noch heute bekannten Tartans. In
dem 1842 erschienenen “Vestiarium Scoticum” wurden über 70 Tartans
vorgestellt, die es 300 Jahre zuvor gegeben haben soll, eine Darlegung,
die nie bewiesen werden konnte, jedoch allgemein anerkannt wurde.
Die heute verwendeten Tartans, ob sie nun auf Jahrhunderte alte
Muster zurückgehen
oder erst im 19. Jh. entstanden sind, werden von den verschiedensten
Zusammenkünften überwacht und registriert.
Die
Scottish Tartan Society veröffentlichte mehrere Enzyklopädien und
das Standing Council of Scottish Chiefs veröffentlicht in unzähligen
Publikationen die Clan-Tartans. Jedoch entstehen jährlich neue Tartans
und die verschiedenen Webereien machen durch ihre freie Namensgestaltung
die Übersicht nicht gerade durchschaubarer.
Dennoch kann der Tartan-Träger davon ausgehen, daß ein Clan-Tartan,
egal von welcher Weberei er auch stammen möge, bis auf kleine Nuacen
indentisch ist, eine Tatsache, die im 19. Jh. keineswegs selbstverständlich
war.
Ob
Highlander vor dem 19. Jahrhundert einen bestimmten Clan-Tartan trugen
ist unklar und vieles spricht dagegen. Wahrscheinlicher war wohl das
Tragen eines Distrikt-Tartans, jedoch kann auch dies nicht definitiv
bewiesen werden.
Auch über das Alter des Tartans an sich ist vieles geschrieben
worden.
Nun,
wie auch immer, Highlander tragen schon seit Jahrhunderten Tartans,
wie einfachstrukturiert sie auch immer gewesen sein mögen und heute ist
der Tartan der farbenprächtige Ausdruck einer alten Tradition aus den
schottischen Highlands.
Quelle
'Geschichte des schottischen Tartans':
Chevalier Basil Henry Connor Wolfrhine of Stuart GCSA, Laird of Kintail |